-Fasnet-
Fasnet und OB-Wahl
Es ist geschafft: pünktlich zum Beginn der Fasnet sprach sich der Gemeinderat für die Errichtung ei-nes Narrenbrunnens vor der Zehnt-scheuer aus. Die „Narren“ wird dies freuen, die anderen stellen sich vielleicht die Frage, ob es nicht wichtigere Dinge gibt wie z.B. die OB-Wahl. Diese Wahl ist sicherlich sehr wichtig für alle Rottenburger, denn schließlich „regiert“ ein Oberbürgermeister zumindest für 8 Jahre. Doch ich möchte Ihnen aufzeigen, dass der Narrenbrunnen und damit die Fasnet so einiges mit einem oder einer Oberbürgermeister/in zu tun haben. Schauen wir uns doch einmal die Figuren unserer Fasnet und ihre Eigenschaften genauer an. An der Spitze – und damit auf dem Brunnen ganz oben drauf – steht in der Fasnet die Gräfin Mechthild. Sie regierte in Rottenburg sehr zum Wohle der Stadt, förderte die Künste und die Geisteswissenschaften, wusste, was ihr Volk brauchte, liebte Gesellig-keit, hatte Humor und erlaubte ihrem Hofnarren, ihrem Hofstaat und ihrem Volk, auch „närrisch“ zu sein. Übertragen auf eine/n OB heißt dies: sie/er muss das Wohl der Stadt als oberstes Ziel haben, sie/er sollte immer wissen, was die BürgerInnen brauchen, wo der Schuh drückt, sie/er sollte auch für die Kunst und die Bildung ein offenes Ohr haben und natürlich benötigt sie/er für das Amt eine gute Portion Humor. Der Hofnarr der Gräfin – unterstützt durch die Bogges - hatte nicht nur die Aufgabe, die Hofgesellschaft zu unterhalten, sondern ihr immer wieder den Spiegel vorzuhalten, selbstkritisch zu sein und notwendige Kritik an der Führung freundlich anzusprechen. Übertragen bedeutet das, ein/e OB sollte Kritik vertragen, annehmen und selbstkritisch damit umgehen können. Von der nur in Rottenburg vorkommenden Weißnarrenfigur „Ahland“ sollte ein/e OB das dicke Fell, von den Pompelen die Gemütlichkeit übernehmen. Hofstaat brauchen wir keinen, denn Rottenburg ist arm, doch mit den Jägern / Förstern sollte sie/ er sich verstehen, damit unser Stadt-wald weiterhin Gewinn bringt. Vom Fanfarenzug kann sie/er lernen, dass Musik/Verwaltung nur gelingt, wenn es einen Dirigenten gibt, der die Musikanten fördert und fordert und sich alle an die Noten, d.h., Ver-einbarungen und Regeln halten. Und natürlich gibt es noch unsere Stadthexen: ihre Anzahl ist überschaubar und trotz – oder gerade wegen -der Tatsache, dass sie sehr individuell agieren, mögen wir Rottenburger sie sehr. Was heißt dies für eine/n OberbürgermeisterIn: auch wir RottenburgerInnen sind eigen, sehr individuell und wollen in unserer Eigenart geachtet werden. Dafür braucht es hohe soziale Kompetenz, immer ein offenes Ohr, Feingefühl, Geradlinigkeit und eine gute Portion Humor.
Nun wünsche ich allen, den Narren, den Fasnetsmuffeln und den OB-KandidatInnen eine glückselige Fasnet und darauf drei kräftige Narri –Narro.

