Klimaschutz vor Ort
Sigrid Urban, 8.2.2007
Der vor wenigen Tagen veröffentlichte UN-Bericht zur Erderwärmung stellt klar, dass die schnell voranschreitende Klimaveränderung hausgemacht ist und in direktem Zusammenhang mit der Emission von Kohlendioxid steht. 500 Klima-Weise rechnen uns vor, wie durch kluges Verhalten die schlimmsten Wetter-Katastrophen zu verhindern sind. Erhöht sich bis zum Jahrhundert-Ende die Temperatur um durchschnittlich 1 oder um 6Grad , steigt der Meeresspiegel um 18 oder um 59 Zentimeter – das ist hier die Frage. Kluge Energiepolitik vor Ort wäre die angemessene Antwort: Wirksamer Klimaschutz setzt bei der Einsparung von Wärmeenergie an. Bei einer Begehung städtischer Gebäude im vergangenen Jahr konnten in einem ersten Schritt „Energiefresser“ ausgemacht werden. Weitere Daten müssen erhoben und ausgewertet und Vorschläge zum Energiesparen ausgearbeitet werden. Die mit einem Anteil von 40 Prozent vorgesehene Stelle für ein städtisches Energie-Management sollte mit entsprechenden Qualifikationsansprüchen ausgeschrieben werden – so die Forderung der SDP-Fraktion bei den jüngsten Haushaltsberatungen. Im Jahr 2005 belasteten allein die Heizungskosten stadteigener Gebäude die Kasse mit einem Betrag von 700 000 Euro. Daher dürfte sich eine qualifiziert besetzte Stelle auf Dauer rechnen. Vor dem Hintergrund des UN-Klimaberichts gewinnt der vor fünf Jahren gestellte (und unsinnigerweise abgelehnte) Antrag der SPD-Fraktion zum Beitritt der Stadt Rottenburg ins Klimabündnis der europäischen Städte an Brisanz. Das Klimabündnis stellt eine Selbstverpflichtung der inzwischen 2300 Mitgliedsstädte dar. Alle fünf Jahre soll eine kontinuierliche Minderung der Kohlendioxid-Emission um zehn Prozent erreicht werden. Für die Datenerhebung werden nationale Daten zur Verfügung gestellt, die auf die kommunalen Gegebenheiten angepasst werden können. Der Mitgliedsbeitrag beliefe sich für Rottenburg auf zirka 250 Euro jährlich. Kommunales Handlungsfeld Nummer drei: die Gründung einer kreisweit organisierten Energie-Agentur, die vor allem für Bürger als Beratungsstelle im Hinblick auf Energie-Einsparmöglichkeiten, Einsatz erneuerbarer Energien und entsprechender Fördermittel dient. Idealerweise kooperieren Landkreis und Kommunen, Stadtwerke, Fachhochschule und Handwerkerschaft. Das wieder in Aussicht gestellte Landes-Förderprogramm „Klimaschutz Plus“ stellt Anschub-Mittel in Höhe von 100 000 Euro über vier Jahre zur Verfügung. Die erfolgreich arbeitende Ravensburger Agentur hat durch Befragung festgestellt, dass 85 Prozent der Beratenen die vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen. 25 000 Tonnen Kohlendioxid werden pro Jahr eingespart. Das Volumen der in fünf Jahren getätigten Investitionen umfasst 53 Millionen Euro. Der Anteil erneuerbarer und unbedenklicher Energien am Rotenburger Energiemix beträgt zirka 20Prozent. Steigerungen sind möglich. Die konkreten Wege, die Rottenburg in den nächsten Jahren in Richtung verbesserter Klimaschutz beschreiten wird, sollten bald im Gemeinderat diskutiert und sukzessive umgesetzt werden.

