Rathausrunde

Doppelstrukturen
Erika Piscart, 5.4.2007


Viele Dinge müssen zusammen passen, damit eine Stadt attraktiv ist. Neben ausreichend Arbeitsplätzen sind preiswerte Wohnungen und Bauland sowie günstige, zeitgemäße Verkehrsanbindungen unabdingbar. Die demografische Entwicklung verlangt, an ausreichend Angebote für Senioren zu denken, und zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit mit anderen Städten müssen wir ein familienfreundliches Angebot an verschiedenen Betreuungsformen für Kinder und Jugendliche vorhalten. Sie werden sich fragen: Habe ich das nicht schon letzte Woche an gleicher Stelle von der CDU-Fraktion gelesen? Die Antwort ist: Ja! Es kommt aber darauf an, wie wir als Gemeinderat mit diesen Anforderungen umgehen. Auf einige Faktoren haben wir kaum Einfluss, aber es ist eindeutig Aufgabe der Stadt, für das Betreuungsangebot zu sorgen. Wir haben hier schon respektable Vorarbeit geleistet. Neben Kleinkinder-, Kindergarten-, Hort- und Kernzeitplätzen findet man in jeder Teilgemeinde einen Jugendraum und in der Kernstadt das Jugendhaus und das Schülercafé „AusZeit“. Auch den Einstieg in die Ganztagesbetreuung an einigen Schulen haben wir vollzogen. Und hier sind wir beim springenden Punkt: Es handelt sich um einen Einstieg! Das heißt, dass hier ein Schritt nach dem anderen getan werden muss, was allen Beteiligten viel Einsatz und Energie abverlangt. Das heißt auch, dass sich wichtige gewachsene Strukturen wie Vereinsarbeit und anderes ehrenamtliches Engagement verändern werden; es heißt, dass eine qualifizierte Betreuung nicht ohne qualifizierte BetreuerInnen funktioniert und es heißt, dass eine verlässliche Ganztagesbetreuung für alle Kinder mit vielerlei familiären und sozialen Hintergründen noch nicht in greifbarer Nähe ist. Wir sollten also genau abwägen: Was haben wir schon? Was brauchen wir wann? Was müssen, was können, was wollen wir uns an Betreuung leisten? Selbstverständlich ist es nicht zu vertreten, dass Geld in „Doppelstrukturen“ gesteckt wird, wenn andere sinnvolle Einrichtungen nicht finanziert werden können. Dabei denke ich aber auch an immer leerer werdende Kindergärten, sinkende Grundschülerzahlen und aufgrund der Elternentscheidungen rapide abnehmende Hauptschulanmeldungen (siehe Tübingen als warnendes Beispiel). Auch auf Landesebene wird abgewogen zwischen zusätzlichen Lehrerstunden für die Ganztagesbetreuung und Förderung von Hort- und Kernzeitplätzen. Auf Kreisebene wird abgewogen zwischen Prävention und Jugendhilfe. Aber sind das wirklich „Doppelstrukturen“ ? Als kommunales Beispiel: Die BesucherInnen des Schülercafés finden bis Ende des Jahres dort verschiedene Angebote vor wie Projektarbeit, Internet-Zugang und Kontakt mit Jugendhilfe. Sie werden sich herkunftsbedingt in Zukunft weder in einer Ganztagesbetreuung noch im Jugendhaus aufhalten. „Doppelstruktur“? Ich wünsche mir, dass wir uns eine Aussage der „Aktion Jugendschutz“ Marion zur Maxime nehmen: „Die Lebenswirklichkeit der Kinder und Jugendlichen muss die Grundlage für Entscheidungen der Politik bilden und nicht als vermeintliche Möglichkeit für Einsparungen dienen.“ Wir sollten mit unseren „nachwachsenden Rohstoffen“ pfleglich umgehen.
 

Aus Rottenburg

Haushaltsrede 2010:


Haushaltsrede 2010 der SPD – Fraktion
15.12.2009


Rathausrunde :


Fasnet und OB-Wahl
Margarete Nohr, 31.01.2008


Kinder - unsere Zukunft
Margarete Nohr, 06.12.2007


Landwirtschaftliche Themen
Sigrid Urban, 04.10.2007


Impressionen aus meiner Stadt
Ingeborg Wipper, 09.08.2007


Straßen ???
Ursula Sieber, 14.06.2007


Doppelstrukturen
Erika Piscart, 05.04.2007


Klimaschutz vor Ort
Sigrid Urban, 08.02.2007

 

Unsere Abgeordneten im Landtag und im Bundestag