Kinder – unsere Zukunft
Neue Pisa-Ergebnisse, Demonstration gegen Lehrermangel, Stundenausfall, Diskussion um die Haupt-schule, mangelnde Chancengleichheit – und kein Ende, wird sich so mancher Leser fragen, wenn er zur Zeit die Zeitung liest. Ja, man kann sich eigentlich nur wundern, dass trotz all der Untersuchungen von Fachkräften, der Proteste von Rektoren und von Eltern sich nicht wirklich etwas ändert.
Zwar arbeiten an vielen Schulen die Lehrkräfte mit hohem zeit-lichem Aufwand an neuen Konzepten und die Kommunen investieren Geld in die Ganztagesschule. Doch spürbar verbessern wird sich nichts, solange wir nicht grundsätzlich etwas ändern, nämlich die Struktur unseres Schulsystems mit seiner frühen Auslese.
In keinem anderen europäischen Land hängt der Bildungserfolg so sehr vom Elternhaus ab, haben Kinder aus Unterschichtenfamilien so wenige Chancen wie bei uns. Vor allem trifft es die Kinder mit Migrantionshintergrund. Untersuchungen zeigen, dass sie mit ihrem Wissen den einheimischen Kindern mehr als zwei Jahre hinterher sind, ein Sachverhalt, der dringend nach Veränderung ruft. Wir lassen nicht nur diese Kinder im Stich, sondern verschleudern (volks-wirtschaftlich gesehen) Ressourcen, die wir dringend für unsere Wirtschaft benötigen.
Von Chancengleichheit also keine Spur, auch wenn die CDU auf ihrem Parteitag die Chancengesellschaft als ein Ziel ihrer Politik benennt. Leider wird dies manchen Kindern deutlich schwerer gemacht als anderen.
Was können wir in Rottenburg da aber tun? Ist dies nicht reine Landespolitik? Ja, es ist großteils Landespolitik und wir können nur an die Verantwortlichen appellieren, die Auslese nach der 4. Klasse abzuschaffen und die Kinder sechs Jahre ge-meinsam zur Schule gehen zu las-sen, was nicht nur pädagogisch sinnvoll wäre, sondern auch die Raumnot an mancher weiterfüh-renden Schule beheben würde.
Wir unterstützen die Forderung der Eltern, kleinere Klassen zu bilden, damit die Kinder von Anfang an besser gefördert werden können. Natürlich kostet dies Geld, aber Kinder sind unsere einzige Chance, unser großes Kapital im wirtschaftlichen Wettbewerb. Deshalb müssen wir auch hier in Rottenburg in den nächsten Jahren mehr Geld für die Ganztagesbetreuung investieren und dafür sorgen, dass auch für Kinder aus sozialschwachen Familien das Mensaessen bezahlbar wird.
Dass die Förderung bereits im Kindergarten beginnen sollte, ist selbstverständlich. Daher unterstützen wir die Anstrengungen der Verwaltung, endlich auch eine Kinderkrippe einzurichten. Wir müssen nicht so viel über notwendige Veränderungen reden und Konzepte für die Schublade entwickeln, sondern die notwendigen Verbesserungen einfach tun.

