Rathausrunde 4.10.2007

Landwirtschaftliche Themen
Sigrid Urban, 4.10.2007


lassen Menschen in der Stadt nicht kalt - das hat die Besucherzahl bei Regionalmarkt und Goldenem Oktober gezeigt. Erstaunlich, wie groß das Interesse für die Kartoffelsorten-Ausstellung im Rathaus war und die Nachfrage von hier erzeugten Lebensmitteln, die auf dem Regionalmarkt angeboten wurden. Die ungewöhnliche Kooperation zwischen Fleischer-Innung Tübingen und Weltladen Rottenburg mündete in die Produktion einer Rottenburger Bauernbratwurst und der Stadtwurst. Beide Sorten aus hiesigem Fleisch, fair gehandelten Gewürzen und ohne Zusatzstoffe zubereitet – die Wurst kam an, denn am Abend war alles verspeist. Bleibt nur zu wünschen übrig, dass die beteiligten Metzger diese Delikatesse auch weiterhin im Sortiment führen! In diesem Zusammenhang fragt man sich als Verbraucher, wie es um die Landwirtschaft in der Region bestellt ist. Dazu ein paar nüchterne Zahlen: Existierten vor 25 Jahren noch rund 2500 Höfe im Landkreis Tübingen, so ist ihre Anzahl im Jahr 2007 auf ca. 520 geschrumpft, davon sind 140 Landwirte im Vollerwerb tätig. Die insgesamt landwirtschaftlich genutzte Fläche im Kreis ist seit 30 Jahren mit 20.000 Hektar annähernd stabil. Die Tendenz geht hin zu Höfen, die größere Flächen bearbeiten. Gab es 1979 noch 134 landwirtschaftliche Betriebe, die weniger als 10 Hektar Land bewirtschafteten, so sind es im Jahr 2003 nur noch 32. Die Anzahl derer, die 30 und mehr Hektar unter den Pflug nehmen, ist dagegen seit 30 Jahren in etwa gleich geblieben. Wie sieht es nun mit Biogas-Anlagen und befürchteter Mais-Monokultur vor unserer Haustür aus? 13 Anlagen (davon drei in Planung) hat der Landkreis aufzuweisen. 5 davon arbeiten ohne nachwachsende Rohstoffe, 6 teilweise mit Energiepflanzen, der Rest wird ausschließlich mit Mais und anderen Energiepflanzen betrieben. Momentan sind 800 Hektar der Flächen mit Mais bepflanzt (4 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Böden). Rund um Ergenzingen, das mit zwei größeren Biogas-Anlagen bestückt ist, kommt es zu verstärktem Mais-Anbau. Das eine wichtige Standbein der Landwirtschaft wird wohl auch in Zukunft in der Erzeugung von Lebensmitteln und der Direktvermarktung liegen. Der Anbau von Energiepflanzen zur Stromgewinnung stellt eine andere, in unserem Landkreis vielleicht auch schon an den Grenzen angelangte Möglichkeit der Landbearbeitung dar. Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe aus Bio-Masse (kurz BtL genannt) steckt noch im Experimentier-Stadium. Gleichwohl werden große Erwartungen in die Entwicklung gesetzt. Insbesondere Landwirten, die für den Naturschutz tätig sind, eröffnen sich neue Wege. Für die Produktion von BtL-Kraftstoff genutzt werden nämlich alle Materialien, die beim Pflegen von Naturschutzflächen anfallen. Das Thema Landwirtschaft bleibt spannend.
 

Aus Rottenburg

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Unsere Abgeordneten im Landtag und im Bundestag